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Kunst und Kultur in Indonesien

Vielleicht gerade weil Indonesien die Heimat so vielfältiger Kulturen und Völker ist, bemüht man sich sehr um die Bewahrung des umfangreichen kulturellen und künstlerischen Erbes. Leider war es aufgrund von Auseinandersetzungen und Naturkatastrophen nicht möglich, die wichtigsten der sagenhaft schönen und kunstvoll gestalteten Bauwerke der letzten Jahrhunderte zu erhalten – manche von ihnen liegen noch heute (unentdeckt) unter meterdicken Schichten aus Schlamm und Vulkanasche. Umso ernsthafter bemüht man sich um die Bewahrung von Kultgegenständen, Tänzen und Erzählungen einerseits und Fertigkeiten wie die Bildhauerei, die Batikkunst, Schnitzerei oder Malerei andererseits. Eine einmalige Ansammlung von Künstlern findet man u.a. auf Bali: Im Zentrum der Insel, in und um Ubud, kann man sich ganz einfach einen Überblick über die Kunst und Kultur Indonesiens verschaffen. Egal ob in der Keramik- oder Schmiedekunst, im textilen Kunsthandwerk, bei Malereien oder Steinmetzarbeiten – die Kunstfertigkeit und Detailverliebtheit der Arbeiten begeistert immer wieder aufs Neue. 

Zu den größten Kunstschätzen Indonesiens zählen beispielsweise wertvolle Webarbeiten und Batiken. Die schönsten Batiken kommen, so sagt man, aus Tenganan. Eine echte Batik hat mit den wilden Mustern, die alle paar Jahre die europäische Mode schmücken, nichts gemein. Vielmehr handelt es sich bei Batik-Stoffen um nach traditionellen Mustern gefärbte (nicht bedruckte!), sehr hochwertige Unikate, die lange Zeit nur dem Adel vorbehalten waren. Bestimmte Muster dürfen auch heute noch nur zu bestimmten Anlässen getragen werden. Eine echte unterscheidet sich von einer falschen Batik u.a. dadurch, dass sie auf beiden Stoffseiten etwa gleich gut zu sehen ist und einige Unregelmäßigkeiten aufweist – jedes Muster wird einzeln per Hand appliziert. Übrigens: Seit 2009 stehen die indonesischen Batiken als Weltkulturerbe unter dem Schutz der UNESCO.

Silberschmiede auf Bali

Silberschmiede auf Bali ©TK

Für die Batiken kommen drei Stoffe infrage: Für gute Batiken nutzt man Endek, für exzellente und zum Teil extrem teure Batiken kommen ausschließlich kostbare Songket (Goldtapeten) oder Ikat zum Einsatz. Während die einfachen Stoffe auf einfachen Webstühlen zuhause entstehen, bedarf es für Ikat-Stoffe schon sehr großer Kunstfertigkeit. Die komplizierten Doppel-Ikats werden nur noch in Tenganan und auf Lombok hergestellt, ihre Fertigung dauert Monate oder sogar Jahre. Dementsprechend hochpreisig sind die Einzelstücke, die unter Sammlern weltweit aufgrund ihrer unvergleichlichen Leuchtkraft und Schönheit geschätzt werden. Übrigens: Noch heute spricht man Stoffen, die im Doppel-Ikat-Verfahren hergestellt wurden, magische Kräfte zu.

Eine andere Facette der Kunst in Indonesien stellt das Wayang, die Schauspielkunst dar. Dabei unterscheidet man generell zwischen dem traditionellen Schattenspiel, dem Maskenspiel, dem Spiel unmaskierter Schauspieler und dem Spiel mit kunstvoll gefertigten Puppen. Für welche Spielart des Wayang Sie sich auch entscheiden, mit großer Wahrscheinlichkeit wird das Erlebnis mehrere Stunden andauern. Ein Anhaltspunkt: Vorstellungen, die nicht für Touristen organisiert sind, dauern in der Regel von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang. Dabei fordern sie sowohl den Schauspielern als auch dem Publikum Beachtliches ab, denn die Stücke, die u.a. auf der indonesischen Geschichte, hinduistischen oder buddhistischen Mythen und Erzählungen basieren, sind enorm komplex. Unterstützt werden die Meister des Wayang von einem Gamelan-Orchester. Achten Sie im Laufe der Vorstellung aber auch einmal auf die Puppen oder Masken, die zum Einsatz kommen – auch sie sind in Handarbeit nach alter Tradition gefertigt und zum Teil sehr wertvoll.