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Vulkanismus in Indonesien

Kaum ein anderes Land ist derart vom Vulkanismus geprägt wie Indonesien. Das Land liegt am Pazifischen Feuerring (auch: Feuergürtel), einer der vulkanisch aktivsten Regionen der Welt, die die Pazifische Platte umschließt. Zahlreiche Inseln des weitläufigen Archipels sind vulkanischen Ursprungs und auf den rund 18.000 größeren und kleineren Eilanden zählt man heute noch etwa 130 aktive Vulkane, 65 davon gelten als gefährlich.

Zu den aktivsten Vulkanen Indonesiens (und auch der Welt) zählt beispielsweise der rund 2.914 Meter hohe Gunung Merapi auf Java. Bereits seit Jahrtausenden ist der Schichtvulkan nahe Yogyakarta, der abwechselnd Asche und Lava spuckt, eine stetige Bedrohung für die vielen Tausend Menschen, die seine Hänge und nähere Umgebung bevölkern. Besonders gefährlich ist er, weil seine Ausbrüche besonders heftig und unvorhersehbar sind. Typisch für den Merapi sind die sogenannten nuees ardentes, heiße Wolken, die sich mit Temperaturen von bis zu 700 °C und enormer Geschwindigkeit die Hänge herunter wälzen können und alles Leben auf ihrem Weg in Sekundenbruchteilen vernichten.

Vulkan in Indonesien

Vulkan in Indonesien ©iStockphoto/Suwit Gamolgrang

Eine andere Form des Vulkanismus ist ebenfalls auf Java zu finden: Rund 20 Kilometer von Surabaya entfernt ist ein Schlammvulkan seit Mai 2006 durchgehend aktiv. Ausgelöst wurde sein Ausbruch mit großer Wahrscheinlichkeit durch Erdölbohrungen. Seitdem spuckt die Erde hier Gase und im Durchschnitt 100°C heißen Schlamm – eine ganze Region versinkt darin. Um eine weitere Ausbreitung des giftigen, heißen Schlamm-Sees zu vermeiden, hat man sich zwischenzeitlich dafür entschieden, Dämme zu bauen, die die Schlamm-Massen im Zaum halten sollen.

Zu den beeindruckendsten und schönsten Vulkanen Indonesiens zählen u.a. der Gunung Bromo auf Java, der zusammen mit anderen Vulkanen in der Tengger Caldera liegt oder der mehr als 3.000 Meter hohe Gunung Agung auf Bali, dessen sehr hoher, tiefer Krater nahezu perfekt kegelförmig ist. Beide Vulkane zählen auch zu den beliebtesten touristischen Zielen Indonesiens. Vom Gunung Agung erzählt man sich, dass alle Balinesen ihren heiligen Berg selbst mit verbundenen Augen finden würden. Einen Nachbargipfel des Gunung Bromo erklimmen die meisten Besucher in der Dunkelheit, um einen der spektakulären Sonnenaufgänge über dem Bromo Nationalpark erleben zu können.

Wussten Sie eigentlich, dass der Bromo der einzige Vulkan ist, auf den eine Treppe hinauf führt? Gläubige Hindus pilgern auch heute noch zunächst zum Tempel am Fuße des Vulkans und danach zum Kraterrand, um Opfergaben in den Vulkan zu werfen. Überhaupt spielen die Vulkane im Leben und Glauben der Indonesier seit jeher eine wichtige Rolle. Kein Wunder: Die Feuerberge und ihre Geister entscheiden über Leben und Tod. Während Ausbrüche zunächst einmal zu Vernichtung führen, sorgen sie doch gleichzeitig dafür, dass sich die Landmasse vergrößert und vorhandenes Land sehr fruchtbar ist.

Damit die vielen aktiven Vulkane keine Menschenleben kosten, werden sie heute gleich in mehrfacher Hinsicht überwacht. Technisch von Wissenschaftlern – in jeder anderen Hinsicht von den Hütern der Vulkane, meist älteren Männern, deren Aufgabe darin besteht, „ihren“ Vulkan durch Opfergaben und Rituale zu besänftigen…